Zwischen Traumoffice und Abrissbirne
Die Suche nach einem neuen Office führt uns durch ganz unterschiedliche Räume – vorbei an einem rissigen Balkon, einem fehlenden Wasseranschluss und einem geheimen Motorrad-Vereinslokal. Und immer wieder zu der Frage, was einen guten Arbeitsort wirklich ausmacht.
Seit sechs Jahren arbeiten wir in unserem geliebten grünen Haus im vibrierenden Kreis 4. Doch von Anfang an war klar: Diese Liebe ist nicht für die Ewigkeit bestimmt. Das Haus muss einem Ersatzneubau weichen, die Sergeants müssen nächstes Jahr umziehen. Zeit also, sich so langsam, aber sicher auf die Suche nach einer neuen Bleibe zu machen.
Und damit stellt sich die Frage: Was macht ein gutes Office eigentlich aus? Ist es die Lage, die Ausstattung, genügend Platz für alle? Oder sind es vor allem die Menschen, die darin arbeiten, lachen und diskutieren? In unserem Team gibt es jedenfalls unterschiedliche Prioritäten, wenn es um die Must-haves eines perfekten Büros geht.
Auf der Wunschliste:
- Lage nah am HB
- Sitzplatz unter freiem Himmel (um den Abschied von unserer Pergola erträglicher zu machen)
- einzelne Büroräume vs. «Nein, lieber ein grosser, offener Raum für alle!»
- mehrere Restaurants und Take-Aways in der Nähe plus mindestens eine Gelateria (ja, was das anbelangt, sind wir aktuell etwas verwöhnt)
- Küchenbereich mit Esstisch auf DERSELBEN ETAGE wäre praktisch
Mein Laptop, mein Schreibtisch, mein Stuhl
Es stellt sich heraus: Die Suche nach einem neuen Büro ist mehr als die Suche nach vier Wänden, ein paar Schreibtischen und einem Sitzungszimmer. Wir suchen einen Ort, der zu uns passt und an dem sich alle wohlfühlen. Und natürlich stellt sich auch die Frage, welchen Einfluss unser hybrides Setup auf die Wahl des neuen Büros hat. Bekanntermassen schätzen wir Remote Work (hier unser Blog-Beitrag dazu) genauso wie das Miteinander vor Ort.
Der Umzug bietet nun die Chance, sich ehrlich zu fragen, ob eigentlich wirklich jedes Teammitglied noch einen eigenen Schreibtisch braucht. Aus diesem Grund haben wir uns auch kurz überlegt, ob Co-Working Spaces mit ihren flexiblen Setups eine Option für uns wären. Spoiler: Sind sie nicht. Die Idee vom agilen Arbeiten mit nichts weiter als einem aufgeklappten Laptop klingt super. Sie funktioniert aber bei weitem nicht für alle. Die Vorstellung, sich jeden Morgen einen neuen Platz suchen zu müssen und technisch wie ergonomisch jedes Mal wieder bei Null anzufangen, löst bei einigen von uns Schnappatmung aus.
Besichtigt und für speziell befunden
Also doch lieber eigene Räumlichkeiten mit genügend Arbeitsplätzen. Das passende Immo-Abo ist eingerichtet und spült regelmässig Treffer in unsere Inbox. Wir haben Grundrisse studiert, Quadratmeter gezählt und bereits einige Räumlichkeiten besichtigt. So richtig geklickt hat es bisher bei keinem der besichtigten Objekte. Ein paar Begegnungen und Situationen bleiben uns aber Erinnerung::
- Der Balkon des prächtigen Altbau-Büros, über den der aktuelle Mieter sagt: «Ich traue mich da schon länger nicht mehr raus, seht Ihr die Risse im Boden?»
- Das tolle Büro mit herrlichem Blick auf die Limmat, die vor den Fenstern vorbei fliesst. Nur leider fliesst im Innern kein Wasser: Einen Wasseranschluss gibt es nicht, die Installation wäre hochkompliziert. Das finden auch unsere Mitbewerberinnen mit den Nagelstudio-Plänen nicht ideal.
- Das nahezu perfekte Office, das mit dem Einwand «Galaktisch weit weg!» aussortiert wird (16 Minuten vom HB).
- Der selbstbewusste Jungmakler mit dem dicken Porsche vor der Tür
- Das loftartige Dachgeschoss, das auf den Fotos total grosszügig aussah und bei dem wir vor Ort realisieren, dass Michel sich an der niedrigen Decke wohl ständig den Kopf stossen würde.
- Das Office in dem herrschaftlichem Villa-Gebäude mit der zackigen Maklerin, die uns im Eiltempo durch die Räumlichkeiten scheucht. Und am Ende widerwillig die vagen Formulierungen im Inserat bestätigt: Auch dieses Haus wird in ein paar Jahren abgerissen.
- Der aktuelle Mieter, der uns beim Warten vor seinem Büro ruppig anspricht («Wer seid Ihr?») und nichts von einer Besichtigung weiss. Nach Klärung der Situation besichtigen wir ein Sammelsurium an Räumen in unterschiedlichem Ausbaustandard und ein geheimes Motorrad-Vereinslokal im Keller. Bei aller Faszination: it’s a no.
Mehr als Licht und Lage
Bei all dem haben wir inzwischen eine gewisse Routine entwickelt. Nachdem die Basics abgecheckt sind, schweift der Blick bei der Besichtigung automatisch nach draussen: Könnte man dort unten im Hof einen Sitzplatz einrichten? Und wem gehört eigentlich diese Dachterrasse dort oben, und wie erhalten wir Zugang? Die vielen Fenster sind toll, aber wird das nicht sehr heiss im Sommer? Und jedes Mal die anerkennende Bemerkung: «Ah, Küche mit Herdplatte!» Gefolgt von der Erkenntnis, dass in unserem Office schon seit Jahren niemand mehr den Herd benutzt hat. Direkt gefolgt von der Frage nach dem gastronomischen Angebot in der Umgebung.
Spätestens hier wird wieder klar: Das perfekte Office muss mehr bieten als bequeme Arbeitsplätze mit gutem Licht. Es sollte ein Ort sein, an dem man sich gerne aufhält und bei dem auch das Drumherum stimmt. Also gehen wir auch weiterhin an Besichtigungen und fragen uns immer wieder: Könnte das unser neues Office werden? Denn am Ende wollen wir nicht einfach ein Büro finden, sondern einen Platz, an dem sich alle Sergeants zuhause fühlen.
Hinweise auf passende Räumlichkeiten werden übrigens gerne entgegengenommen...